Was ist Kyudo?
Kyudo – japanisches Bogenschießen als Weg zu Achtsamkeit, Balance und innerer Ruhe

Was ist Kyudo?
Kyudo – das traditionelle japanische Bogenschießen – verbindet jahrhundertealte Samurai-Tradition mit moderner Achtsamkeitspraxis. Ursprünglich aus den Waffentechniken der Samurai hervorgegangen, gehört Kyudo zum klassischen Budo, der japanischen Kampfkunst.
Heute wird Kyudo nicht mehr für Krieg oder Jagd geübt, sondern als Weg der persönlichen Entwicklung. Die präzisen, fließenden Bewegungsabläufe fördern Körperhaltung, Balance und Koordination. Gleichzeitig schult die meditative Ausführung Konzentration, Achtsamkeit und innere Ruhe.
Kyudo erleben im Saarland
Der Kyudo Saar e.V. bietet allen Interessierten – unabhängig von Alter oder Vorerfahrung – die Möglichkeit, in einer achtsamen Gemeinschaft zu üben. Schritt für Schritt führen wir in die Techniken, Werte und die Philosophie des Kyudo ein. So wird jede Trainingseinheit zu einer Reise in die Welt des traditionellen Bogenschießens und zu den kulturellen Wurzeln Japans.

Geschichte
Geschichte des Kyudo – Vom Jagdbogen zur meditativen Kunst
Die Ursprünge des Kyudo, des traditionellen japanischen Bogenschießens, reichen weit über die Zeit der Samurai hinaus. Archäologische Funde und historische Aufzeichnungen belegen, dass der japanische Langbogen bereits seit Jahrtausenden Teil der Kultur und Kriegsführung Japans ist – und sich im Laufe der Geschichte von einer Jagd- und Kriegswaffe zu einem Weg der inneren Schulung, der Achtsamkeit und des Budo entwickelt hat.
Frühe Anfänge
- Yayoi-Periode (ca. 300 v. Chr. – 300 n. Chr.): Erste Darstellungen eines asymmetrisch gegriffenen Langbogens (yumi). Diese Bauweise – oberer Wurfarm länger als der untere – ist bis heute charakteristisch für das japanische Bogenschießen.
Zeit der Samurai
- 16. Jahrhundert: Vollendung des japanischen Bogenbaus mit hochentwickelten Bambus-Laminaten. Der Langbogen (daikyū) war eine zentrale Waffe der Samurai sowohl im Krieg als auch in zeremoniellen Kontexten. Mit der Einführung der Feuerwaffen begann jedoch der schrittweise Rückgang seiner militärischen Bedeutung.
Vom Kriegshandwerk zum Budo
- Nach dem Ende der kriegerischen Ära wandelte sich das Bogenschießen zu einer disziplinierten Übung für Adel und Kriegerstand. Es entwickelte sich zu einer Praxis, die Haltung, Atem, Balance und geistige Sammlung in den Mittelpunkt stellte – Werte, die heute mit Achtsamkeit verbunden werden.
Moderne Entwicklung
- 20. Jahrhundert: Unter der All Nippon Kyudo Federation (ANKF) wurde eine gemeinsame Zeremonieform (Sharei) entwickelt, die von vielen Kyudo-Schulen anerkannt wird, ohne deren individuelle Identität aufzugeben.
- Heute ist Kyudo weltweit verbreitet und wird in Japan wie auch in Deutschland als ein Budo-Weg gepflegt, der Technik, Tradition und geistige Schulung vereint.
Kyudo – Geschichte in Japan und Deutschland
Ursprünge in Japan
- Yayoi-Periode (ca. 300 v. Chr. – 300 n. Chr.) – Erste Darstellungen eines asymmetrisch gegriffenen Langbogens (yumi), eine Bauweise, die bis heute einzigartig im traditionellen japanischen Bogenschießen ist.
- 16. Jahrhundert – Vollendung des japanischen Bogenbaus mit meisterhaften Bambus-Laminaten. Der Langbogen (daikyū) ist zentrale Waffe der Samurai – im Krieg, bei Jagd und in Ritualen. Einführung der Feuerwaffen führt zum langsamen Rückgang der militärischen Nutzung.
- Edo-Zeit (1603–1868) – Wandel vom Kriegswerkzeug zur disziplinierten Kunstform. Entstehung verschiedener Kyudo-Schulen, die Haltung, Atemtechnik, Balance und geistige Sammlung in den Mittelpunkt stellen – Werte, die heute mit Achtsamkeit verbunden sind.
- 20. Jahrhundert – Gründung der All Nippon Kyudo Federation (ANKF). Entwicklung einer einheitlichen Zeremonieform (ANKF-Sharei), die von vielen Schulen übernommen wird, ohne deren Traditionen aufzugeben.

Handschuh
Der Kyudo-Handschuh – Präzision und Schutz in einer Bewegung
Im Kyudo, dem traditionellen japanischen Bogenschießen, spielt der Handschuh (kake) eine zentrale Rolle. Er dient nicht nur dem Schutz der Hand, sondern ist entscheidend für die saubere Ausführung des Schusses.
Der kake wird an der rechten Hand getragen und ist im Daumenteil mit einer kleinen Vertiefung – der sogenannten Sehengrube (tsurumakura) – ausgestattet. Diese dient dazu, die Sehne sicher zu halten und im richtigen Moment kontrolliert zu lösen. Für zusätzliche Stabilität ist der Daumen durch eine hölzerne Einlage verstärkt.
Traditionell wird der Handschuh aus hochwertigem Rehleder gefertigt. Dieses Material ist nicht nur strapazierfähig, sondern bietet auch das feine Tastgefühl, das im Kyudo für Präzision und Achtsamkeit notwendig ist. Die sorgfältige Verarbeitung und die natürliche Passform unterstützen den Schützen dabei, Pfeil und Bogen harmonisch zu führen – ganz im Sinne des Budo-Weges, bei dem Technik, Haltung und Geist eine Einheit bilden.
Ob für Einsteiger oder erfahrene Kyudoka – der kake ist mehr als nur ein Ausrüstungsgegenstand: Er ist ein Bindeglied zwischen Tradition, Handwerk und der meditativen Praxis des Kyudo.
Bögen
Der japanische Bogen – Handwerk, Tradition und Präzision
Der japanische Bogen (yumi) ist einzigartig in seiner Form und Bauweise. Mit einer Länge von etwa 2,25 Metern ist er deutlich größer als die meisten westlichen Bögen und zeichnet sich durch seine asymmetrische Form aus: Der obere Wurfarm ist deutlich länger als der untere. Diese Konstruktion geht auf die Zeit der Samurai zurück und wird im Kyudo, dem traditionellen japanischen Bogenschießen, bis heute unverändert gepflegt.
Anders als bei modernen Sportbögen besitzt der yumi weder eine Pfeilauflage noch eine Visiereinrichtung. Das Ziel, das sich in der Regel in 28 Metern Entfernung befindet, wird nicht durch technisches Zubehör leichter getroffen – vielmehr entwickelt sich der Schütze selbst durch präzise Technik, Achtsamkeit und wiederholtes Üben. Im Budo-Geist bedeutet dies: Nicht das Gerät wird perfektioniert, sondern der Mensch, der es führt.
Traditionell bestehen Bogen, Pfeile, Sehne und Handschuh (kake) aus sorgfältig ausgewählten Naturmaterialien wie Bambus, Holz, Leder und Hanf. Diese handwerklich gefertigten Ausrüstungsstücke spiegeln den Respekt vor der Natur und die tiefe Verbindung zur japanischen Kultur wider.
Im Training des Kyudo Saar e.V. werden sowohl traditionelle als auch moderne Varianten des yumi genutzt, um den Einstieg zu erleichtern und gleichzeitig den Bezug zur historischen Handwerkskunst zu bewahren.
Pfeile
Pfeile im Kyudo – Tradition trifft individuelle Gestaltung
Im Kyudo, dem traditionellen japanischen Bogenschießen, spielen die Pfeile (ya) eine wichtige Rolle für Präzision und Ästhetik. Während ursprünglich ausschließlich Bambuspfeile verwendet wurden, schießen heute nur noch wenige Kyudoka mit diesen traditionellen Materialien.
Die meisten Schützen nutzen moderne Aluminiumpfeile, die durch ihre Robustheit und Gleichmäßigkeit überzeugen, ohne den Respekt vor der Natur und die Verbindung zur Tradition zu verlieren. Die Befiederung erfolgt in der Regel mit echten Naturfedern, die eine optimale Flugstabilität gewährleisten.
Ein besonderes Merkmal im Kyudo ist die individuelle Gestaltung der Pfeile: In der Befiederung und den Wicklungen kann jeder Schütze seine persönlichen Vorlieben ausdrücken und damit die eigene Verbindung zum Bogen und zum Schuss symbolisieren.
So verbindet sich im Kyudo technische Präzision mit kreativer Freiheit – ganz im Sinne der Achtsamkeit und der Philosophie des Budo aus Japan.

Makiwara
Übung am Strohbündel im Kyudo

Das Makiwara ist ein traditionelles Ziel im Kyudo, das aus einem dichten Strohbündel besteht. Es wird in unmittelbarer Nähe – meist nur zwei bis drei Meter entfernt – beschossen. Im Gegensatz zum Schießen auf die Matoscheiben in 28 Metern Entfernung geht es beim Makiwara-Training nicht darum, das Ziel zu treffen, sondern um die Korrektheit der Haltung, Technik und Achtsamkeit.
Das Üben am Makiwara erlaubt es dem Schützen, sich ganz auf die einzelnen Bewegungsphasen des Hassetsu – der acht Stufen des Schusses – zu konzentrieren. Der Pfeilflug tritt dabei in den Hintergrund, während der Prozess des Schießens und die innere Ruhe in den Vordergrund rücken.
Gerade für Anfänger ist das Makiwara ein wichtiges Hilfsmittel, da sie hier mit Bogen, Pfeil und Handschuh sicher und ohne Ablenkung trainieren können. Aber auch erfahrene Kyudoka nutzen das Makiwara regelmäßig, um ihre Technik zu verfeinern und ihre geistige Haltung zu schulen.
So verbindet das Makiwara das traditionelle Bogenschießen aus Japan mit einem modernen, achtsamen Trainingsansatz und bleibt ein zentrales Element des Kyudo-Trainings weltweit.

Mato
Das Ziel im Kyudo
Das Mato ist die traditionelle Zielscheibe im Kyudo. Es besteht aus einer kreisrunden Papierscheibe, die auf einem Holzhamen befestigt ist. Standardmäßig hat das Mato einen Durchmesser von 36 cm und wird auf eine Entfernung von 28 Metern beschossen – die klassische Distanz im Kyudo.
Im Gegensatz zum Schießen am Makiwara, bei dem die technische Ausführung und Achtsamkeit im Vordergrund stehen, verbindet das Schießen auf das Mato die Körpertechnik mit dem Ergebnis des Pfeilfluges. Der Schütze kann so überprüfen, ob sich innere Ruhe, Haltung und Bewegungsfluss auch im Trefferbild widerspiegeln.
Bei offiziellen Wettkämpfen und Prüfungen werden verschiedene Mato-Größen verwendet, abhängig von der Distanz und der Disziplin. Doch im Training dienen die Matos nicht nur der Zielkontrolle, sondern auch der Vertiefung von Konzentration, Gelassenheit und Präzision.
Das Mato symbolisiert im Kyudo daher mehr als nur ein Ziel: Es steht für die Einheit von Tradition, Technik und Achtsamkeit. Jeder Schuss ist ein Spiegel des eigenen inneren Zustandes – und genau darin liegt die besondere Faszination des Kyudo.